Badische Zeitung vom Freitag, 1. Dezember 2006
Kraftpaket rollt heimwärts
" Schmidt Winterdienst" verlädt morgen die erneuerte norwegische Eisenbahn-Schneeschleuder
ST. BLASIEN (BZ). Es war nur eine Revision. Doch die Selbstfahrende Eisenbahn-Schneeschleuder, die morgen, Samstag, 2. Dezember, aus der Werkshalle 1 der Firma "Schmidt Winterdienst- und Kommunaltechnik GmbH" in St. Blasien rollen wird, hat mit der Maschine, die im Frühjahr dort angeliefert wurde, nur wenig zu tun.

Produktionsleiter Thomas Berger zieht einen einfachen Vergleich: "Wenn Sie ein 30 Jahre altes Auto auf Vordermann bringen, dann steckt anschließend viel Technik drin, die es damals einfach noch nicht gab." 1975 wurde die "HB 1200 S" , so die Produktbezeichnung, bei Beilhack in Rosenheim gebaut und dort auch zehn Jahre später überholt. Seitdem hat sie in Norwegen Schwerstarbeit geleistet.

Mehr als 12 000 Arbeitsstunden wurden bisher in die Revision der Spezialmaschine investiert. "Ein riesiges Projekt" , sagt Berger, der die Arbeiten leitet und koordiniert. Die Speziallokomotive wurde, nachdem sie am 31. März angeliefert worden war, komplett zerlegt. Am Ende stand nur ein Rahmen in der Werkshalle. Fahrerkabine, Bedienpult und die anderen Bauteile wurden im Werk verteilt, damit möglichst parallel gearbeitet werden konnte.

Komplett erneuert wurde die Doppelschneeschleuder. Zwei leistungsstarke Motoren mit jeweils 562 Kilowatt treiben zukünftig die beiden Schleudern an, der Fahrmotor verfügt mittlerweile über eine Kraft von 662 Kilowatt. "Ein echtes Kraftpaket" , sagt Berger über die Maschine, die fast die gesamte Halle 1 einnimmt. 22 000 Tonnen Schnee räumt sie pro Stunde von den Gleisen — bei einem Tempo von 60 Stundenkilometern.

Ihre Reise nach Hamar, etwa 100 Kilometer von Oslo entfernt, tritt die HB 1200 S allerdings langsamer an. Da St. Blasien über keinen Bahnanschluss verfügt, wird das 62 Tonnen schwere Objekt mittels zwei Schwerlastkränen auf einen Spezialtieflader gehievt und zum 22 Kilometer weit entfernten Bahnhof Feldberg-Bärental transportiert. Und auch die Fahrt nach Skandinavien erledigt die Eisenbahn-Schneeschleuder nicht aus eigener Kraft: Eine Bahnspedition aus Sachsen wird sie am Sonntagmittag anhängen, um sie in den Norden zu schleppen. Dieses Vorgehen hat auch einen rechtlichen Hintergrund: Die Bahn besitze keine Zulassung zum Selbstfahren für das deutsche Schienennetz, erläutert Berger.

Am 7. oder 8. Dezember, so sieht es die Planung der Schmidt-Verantwortlichen vor, wird die Selbstfahrende Schneeschleuder in Hamar eintreffen. Dann werden zehn Experten aus St. Blasien nach Oslo fliegen, um letzte Tests mit der HB 1200 S durchzuführen und bei der endgültigen Abnahme dabei zu sein. Dem sieht Berger entspannt entgegen. Auf sein Team kann er sich verlassen. "Denen gebührt ein riesiges Kompliment" .

 

Morgens und abends fahren weniger Züge
Höllental- und Dreiseenbahn

TITISEE-NEUSTADT (fbt/rys). Seit gestern um 16 Uhr sind die lange befürchteten Kürzungen im Nahverkehr der Bahn im Detail bekannt. Innenministerium und DB verschickten eine Pressemitteilung. Nach Einschätzung eines Bahn-Kenners kommt die Höllentalbahn eher glimpflich davon, während die Streichungen auf der Dreiseenbahn nur dann hinnehmbar seien, wenn ein Busersatzverkehr eingerichtet wird. Ansonsten würde Frühaufstehern oder Spätheimkehrern nur der Umstieg in das eigene Auto bleiben.

Dem Bahnexperten scheint es nach einem ersten schnellen Blick auf die Streichungen so zu sein, dass ein Teil der Züge auf der Dreiseenbahn geopfert wird, um in Neustadt einige Verbesserungen anbieten zu können. Auf der Dreiseenbahn werden die beiden letzten Verbindungen von Titisee nach Seebrugg um 19.49 Uhr und 20.49 Uhr sowie von Seebrugg nach Titisee um 20.58 Uhr und 21.58 Uhr gestrichen. Ebenfalls entfallen die frühmorgendlichen Verbindungen um 6.28 Uhr von Titisee nach Seebrugg sowie um 7.05 Uhr von Seebrugg nach Titisee.

Hier eine erste Übersicht gestrichener oder gekürzter Züge, die aus Material des Innenministeriums zusammengestellt ist: Der RE 3221 Neustadt ab 6.30 Uhr nach Ulm fährt erst ab Donaueschingen. Die RB 31553 fährt nicht mehr nach Seebrugg und endet jetzt 6.16 Uhr in Titisee. Der RE 22301, Villingen ab 5.41 Uhr (sonntags) fährt 30 Minuten später. Die RB 31624 fährt erst ab 21.38 Uhr in Titisee nach Freiburg und kommt nicht aus Seebrugg. Die RB 31626 (samstags, spezielle Tage auch bisher nicht) von Himmelreich nach Freiburg fährt nicht mehr. Die RB 31634 (sonntags) 6.31 Uhr ab Neustadt nach Freiburg fährt nicht mehr. Die RB 31666 (samstags, Ferien) Himmelreich ab 7.17 Uhr nach Freiburg fährt nicht mehr, verkehrt aber in der Schulzeit weiter. Der RE 22203 (sonntags) 6.42 Uhr ab Donaueschingen nach Neustadt fällt weg, fährt aber in der Woche weiter. Die RB 31617 von Freiburg verkehrt nicht mehr zwischen Titisee und Seebrugg (Abfahrt war um 19.49 Uhr in Titisee). Auch der Zug eine Stunde später fährt nicht mehr zwischen Titisee und Seebrugg. Die RB 31553, Titisee ab 6.28 Uhr nach Seebrugg, fällt weg. Die RB 31624 und RB 31638, Seebrugg ab 20.58 Uhr bzw. 21.58 Uhr nach Titisee, fallen weg. Die RB 31564 Seebrugg ab 7.05 Uhr nach Titisee fällt weg. Die RB 31617 Freiburg ab 19.10 Uhr endet in Titisee. Außerdem gibt es vielfach neue Abfahrtszeiten. — Die Kürzungen gelten ab 10. Juni.

Aus der Presseinformation geht hervor, dass nach der Kürzung von Regionalisierungsmitteln durch den Bund 2,1 Millionen Zugkilometer aus dem Zugangebot der DB einzusparen seien, davon — wie berichtet — 85 000 im Hochschwarzwald.

Ab Freitag, 26. Januar , soll auf 13 Fahrplankonferenzen landesweit der geänderte Fahrplan vorgestellt und Änderungswünsche für den Fahrplanwechsel Dezember 2007 aufgenommen werden. An den Konferenzen sollen Vertreter der DB Regio, der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft und des Innenministeriums teilnehmen. In Freiburg findet eine Fahrplankonferenz am 7. Februar, 14.15 Uhr in der IHK, Schnewlinstraße 11-13, statt.
Badische Zeitung vom Mittwoch, 24. Januar 2007


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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