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Hochschwarzwald Kurier 7.März 2007 Alle
Bahnhöfe zu verkaufen
Die Bahn will alle ihre Bahnhöfe im Hochschwarzwald
verkaufen. Sie werden für die Abwicklung des Zugverkehrs
nicht mehr gebraucht. Für 450.000 Euro kann man beispielsweise
den Hinterzartener Bahnhof erwerben.
Hochschwarzwald. Die Bahnhöfe entlang der Höllentalbahn
sind in ihrer heutigen Gestalt alle zu Beginn des vorigen
Jahrhunderts erbaut worden. Damals wurde der Zugverkehr mit
viel Personal abgewickelt, für das es teilweise auch
noch Dienstwohnungen in den Bahnhöfen gab. Und große
Wartesäle, Bahnhofsgaststätten (erster und zweiter
Klasse) sowie eine stets geöffnete Toilette gehörten
zum selbstverständlichen Service. Davon ist die heutige
Bahn AG weit entfernt. Service gibt es nur dann, wenn irgend]
e-mand ihn bezahlt, am besten ein externer Dienstleister,
der alle Risiken alleine trägt, möglichst hohe
Pacht bezahlt und alle baulichen Vorgaben der Bahn AG erfüllt.
Da es solche unternehmerischen Selbstmordkandidaten , nicht überall
gibt, stehen viele Bahnhöfe leer, verrotten, verdrecken
und werden zu Sammelplätzen für obskures Publikum,
das in die Schranken zu weisen sich auch niemand mehr wagt.
Ein Aushängeschild für Bahnreisende, die im Hochschwarzwald
ankommen, ist das alles schon lange nicht mehr. Auch der
Neustädter Bahnhof steht zum Verkauf, ebenso Titisee,
Löffingen, Bärental und Seebrugg. Andere sind schon
längst verscherbelt: Rötenbach, Schluchsee, Bachheim,
Posthalde. Viele Bahnhöfe stehen unter Denkmalschutz,
so etwa alle Bahnhöfe und Nebengebäude, die zum
Gesamtensemble Höllentalbahn gehören. Die Bahn
scheut den Erhaltungsund Modernisierungsaufwand, da sie die
Gebäude ja sowieso für ihren Betrieb nicht braucht.
Sie hätte aber trotzdem gerne, dass bahnhofstypische
Dienstleistungen dort weiter untergebracht sind, vom Kiosk über
den Fahrkartenverkauf bis hin zur Gaststätte und zum
Backshop. Solche Einrichtungen gibt es in vielen der zum
Verkauf stehenden Bahnhöfe. Die Betreiber haben meist
langfristige Miet- oder Pachtverträge, so dass ein Kaufinteressent
darauf Rücksicht nehmen müsste.
Was macht die Bahn, wenn sie keine Käufer findet? Zunächst
ist sie zuständig für die Verkehrssicherung. Das
heißt, sie darf die Gebäude nicht verrotten lassen.
Da, wo der Denkmalschutz mitredet, kann die Bahn auch nicht
einfach abreißen. Viele Bahnhöfe sind für
das jeweilige Stadtbild prägend, so dass vielleicht
mancherorts die Kommunen Interesse zeigen könnten, (row)
Einmal
Vollwäsche,
bitte
Die Deutsche Bahn AG betreibt in Freiburg die innovativste Zugwaschanlage
Deutschlands
Von unserer Mitarbeiterin Eva Binder
Die fünf Millionen Euro teure Außenreinigungsanlage
für Züge auf dem Betriebsgelände der Deutschen Bahn
AG in Freiburg sieht aus wie eine überdimensionale Autowaschanlage.
Auch der Waschvorgang ähnelt dem einer Autowäsche, funktioniert
aber mit modernster Technik.
Ein Rangierroboter bewegt
die Waggons durch die Waschstraße
und mit Hilfe eines Scan-Verfahrens stellen sich die Bürsten
automatisch auf den Wagentyp ein. Zwischen 15 und 40 Minuten dauert
ein Waschgang für fünf Wagen in der 90 Meter langen Waschstraße.
Seit Anfang Dezember
letzten Jahres wäscht die neue Waschanlage
wöchentlich 130 Waggons und 40 Lokomotiven. Stichtag für
die Fertigstellung war die Inbetriebnahme der Schwarzwaldbahn,
die dem Regionalverkehr Südbaden 36 zusätzliche Doppelstockwagen
beschert hat. Doppelstockwagen wurden bis dahin zur Reinigung nach
Basel gebracht. "Mit den Waggons der Schwarzwaldbahn wäre
dieser Aufwand rein zeitlich gar nicht möglich gewesen" ,
sagt der Leiter für Technik und Betrieb des Regionalverkehrs
Südbaden, Thilo Ganter. In Freiburg konnten vor dem Neubau
nur einstöckige Waggons gewaschen werden — in einer
Waschanlage im Freien, was den heutigen Umweltstandards nicht mehr
entspricht.
Die neue vollautomatisierte
Waschstation ist dagegen in einer Halle untergebracht, was die
Trennung von Waschwasser und Regenwasser
möglich macht. Umweltfreundlich ist auch die Wiederverwendung
von gebrauchtem Waschwasser. Bei einem Waschgang wird zur Hälfte "recyceltes" Wasser
und zur anderen Hälfte Frischwasser genommen. 4000 Kubikmeter
(4 Millionen Liter) Wasser verbraucht die Anlage im Jahr. Im Vergleich
zu sonst üblichen 22 000 Kubikmetern sei das eine deutliche
Verbesserung, so Ganter.
Bevor das nicht mehr
wiederverwertbare Abwasser allerdings in das öffentliche Kanalnetz eingeleitet werden kann, muss es
in einer internen Anlage aufbereitet werden. Im Unterschied zur
Autowäsche fallen bei der Zugwäsche Schwermetalle und
Bremsstaub an — 10 Kilogramm Schmutz kommen auf 1000 Liter
Wasser. Der anfallende Schlamm muss fachgerecht entsorgt werden,
ist nach Angaben von Ganter aber kein Sondermüll.
Badische Zeitung
7.März 2007
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